Pfifferlinge, Heidelbeeren, Kindheit, Urlaub – 4aus7, Nr. 14

4aus7 KindheitSommer

Letztens bin ich in Augsburg über unseren Stadtmarkt geschlendert, auf der Suche nach einer Kochidee. Schließlich kann ich nicht jeden Tag Blaubeerpfannkuchen essen 😉

Es ist Sommer und somit die Zeit der Pfifferlinge. Tatsächlich habe ich mir noch nie Pfifferlinge auf dem Markt gekauft, dieses eine Mal konnte ich nicht widerstehen. Vielleicht hatte es etwas damit zu tun, dass ich im letzten Jahr sehr viel Zeit mit meinen Eltern verbracht habe und wir oft in alten Geschichten schwelgen.

Denn Pfifferlinge sind in unserer Familie eng verknüpft mit wochenlangen Urlauben in Kärnten und meinen Urlauben im Stubaital. Heidelbeeren sind darüber hinaus für mich der Inbegriff von Sommeraktivitäten. Sind wir doch in den Sommermonaten – wenn wir eben nicht in Kärnten im Urlaub waren – nahezu jedes Wochenende im Wald unterwegs gewesen.

Heidelbeeren

Schon in jungen Jahren hat mein Vater uns an einem Gürtel ein Eimerchen umgebunden und ist mit uns in die Heidelbeerfelder losgezogen. Ich erinnere mich daran, wie stolz ich immer war, wenn das Eimerchen voll mit Beeren war, ganz sauber gepflückt, ohne 4aus7 HeidelbeerenBlattwerk, sozusagen essfertig. Klar landeten auch ein paar Beeren im Mund, aber die Ausbeute reichte immer für ein paar Heidelbeermahlzeiten zuhause. Blaubeerpfannkuchen gab es allerdings nie, das kam erst viel später auf meinen eigenen persönlichen Speiseplan und ist heute im Sommer für mich ein fester Bestandteil. Beim Wandern an den blauen Früchten einfach vorbeigehen ist mir immer noch nicht möglich 🙂

Pfifferlinge

Mit den Pfifferlingen war das eine ganz andere Geschichte. Pilze sind ja nicht so einfach zu erkennen, weshalb das ‚in die Pilze gehen‘ meinem Vater vorbehalten war.

Ich erinnere mich an endlose Pilze-putz-Sitzungen in den Kärnten-Urlauben. Wir sind viele Jahre, ab meinem 5. Lebensjahr, für drei Wochen in die Berge oberhalb des Millstädter Sees gefahren, in eine kleine Pension mit Familienanschluss. Meine Mutter kochte immer draußen auf der Terrasse mit einem zwei-Flammen-Campinggas-Kocher. Jeden zweiten Morgen verschwand mein Vater in aller Früh ‚in die Pilze‘. Zum Frühstück tauchte er dann verschwitzt, aufgekratzt und sichtlich mit sich zufrieden mit einem großen Beutel voller Pfifferlinge wieder auf. Ich weiß, dass ich ihn fragte, warum er nur jeden zweiten Tag loszog. „Damit die Pilze Zeit zum Wachsen haben“ war die logische Antwort. Er kannte die richtigen Fleckchen, wusste wo er suchen musste, und es war eine ganz große Ehre, dass er mich, als ich älter wurde, hin und wieder mitnahm auf seine morgendlichen Ausflüge und mir die Plätze zeigte.

Nicht so toll fand der Rest der Familie, dass die Pfifferlinge dann ja von irgendjemandem geputzt werden mussten. Das war dann eben jeden zweiten Tag die Vormittagsbeschäftigung. Wir Kinder schafften es manchmal uns zu drücken, weil die Abenteuer im Wald riefen, aber oft genug hat es uns doch erwischt. Dass meine Mutter sich ständig neue Pilzgerichte ausdenken musste, war uns natürlich so gar nicht bewusst, wir liebten was sie kochte.

Als ich mit 16 Jahren das erste Mal alleine die Sommerferien bei Freunden meiner Mutter im Stubaital verbrachte, habe ich angefangen dort selber ‚in die Pilze‘ zu gehen. Dass es zudem auch die Zeit der Heidelbeeren war, hat nicht wirklich gestört.

In den Jahren darauf bin ich immer wieder zu den Plätzen und habe Pilze gefunden, mein Lieblingsgericht war – vielleicht weil es am einfachsten zu kochen ist – Pfifferlinge in Rührei mit Kräutern.

Dann kam das Jahr 1986 und die Katastrophe von Tschernobyl. Das Ende des Pilzesammelns.

Bis heute bin ich unglaublicherweise nicht mehr auf die Idee gekommen mir selber ein Pfifferlinggericht zu kochen. Irgendwie schon ein kleines bisschen verständlich, dass dieses Essen dann Kindheitserinnerungen hat aufleben lassen und mich leicht melancholisch zurückgelassen hat.

…ich denke, ich sollte gleich mal meine Eltern anrufen und ihnen davon erzählen…

…aber vielleicht erst nachdem ich den Blaubeerpfannkuchen verputzt habe … 😀

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