Usbekistan – Eindrücke entlang der Route

Zweimal habe ich euch schon mit auf meine Reise nach Usbekistan genommen, nun wird es Zeit für Nummer drei. Zwischen den vier besuchten Städten (zur Erinnerung: Taschkent, Chiwa, Buchara und Samarkand) wurden wir sicher und zuverlässig von unserem Busfahrer Djassur in unserem kleinen Reisebus chauffiert. Auch wenn wir überwiegend auf Autobahnen unterwegs waren, schnell fahren ist nicht möglich. Die Straßen sind extrem holprig und voller Schlaglöcher, was manchmal selbst das Lesen zu einem Glücksspiel machte, treffen die Augen die Zeile oder fällt mir das Buch aus der Hand?  😉

Vom Land haben wir deshalb überwiegend aus dem Busfenster heraus oder bei Pausen in den schattigen Teestuben unterwegs einen Eindruck erhalten. Ergänzt durch Erklärungen, die Maria uns während der 4-5stündigen Busfahrten gegeben hat.

Usbekistan ist ein Binnenland mit Wüstenklima. Im Südosten finden sich Ausläufer des Pamir-Gebirges, Wasser gibt es von den zwei (ehemals) großen Flüssen Amu-darya und Sir-darya. Beide flossen ursprünglich einmal in den Aralsee, heute versickern sie vorher. Dass der Aralsee verlandet ist kein Geheimnis.

Amu-darya
Sir-darya

Dennoch sieht man immer noch entlang der Straßen riesige Anbauflächen für Baumwolle, eine der Haupteinnahmequellen des

Baumwollfeld

Landes. Baumwolle verträgt keinen Frost, in Usbekistan wird es im Winter aber sehr kalt bei hohen Minustemperaturen. Das bedeutet, die Baumwolle ist einjährig und muss jedes Jahr neu gepflanzt werden. Seit der Unabhängigkeit 1991 ist in der Landwirtschaft wohl viel passiert. Man sieht viele Getreidefelder, Reisanbau, Obstplantagen, Gemüse, Kartoffeln usw. Für alles wird Wasser benötigt. Die beiden Flüsse bringen schon lange nicht mehr genug und der zunehmende Tourismus trägt zusätzlich zur Wasserarmut bei. Ein echtes Problem.

Ein Anblick, den man immer wieder sieht entlang der Autobahn – Esel

Seide

Ein weiteres Produkt ist natürlich – schließlich befinden wir uns auf der Seidenstraße – die Seide. Überall im Land stößt man auf Maulbeerbäume. Ich wusste von der Seidenproduktion bisher nicht wirklich viel, obwohl ich eine begeisterte Strickerin bin. Maulbeeren hatte ich auch noch nie gesehen und vom Zusammenhang zwischen der Seidenraupe und den Maulbeerbäumen hatte ich noch nie gehört. Aber genau dafür reise ich gerne, um Neues zu erleben und zu erfahren.

Die ersten Maulbeeren meines Lebens klebten an meinen Schuhen.

schwarze Maulbeeren, noch nicht ganz reif

Denn die wohl süßen Früchte (ich habe keine probiert) fallen vom Baum und verkleben den Boden darunter. Die Einheimischen klauben diese heruntergefallenen Beeren auf und essen sie, weil das die reifen Früchte sind und am besten schmecken.

Die Produktion der Seide durch die Seidenspinnerraupen ist ein komplexer Prozess, der mir klar gemacht hat, warum Seide ihren Preis hat. Ich habe meinen Seidenschal-Einkauf in Chiwa erledigt, weil wir da Zeit zum Bummeln hatten und viele kleine lokale Händler ihre Stände haben. Es wird darauf geachtet, dass nur Ware verkauft wird, die im Land hergestellt wird.

Seidenspinnerkokon

Handwerk

Das betrifft nicht nur die Seide, sondern auch viele weitere Handwerke. Wir haben einen Einblick erhalten in die Arbeit der Töpfer, die unermüdlich in Handarbeit damit beschäftigt sind, die Fließen und Mosaike der Bauwerke zu rekonstruieren. Mit Hand kunstvoll individuell bemalt, mehrfach gebrannt, ist das, wenn man sich die monumentalen orientalischen Bauwerke in Erinnerung ruft, ein nie enden wollender mühsamer Job.

Besonders beeindruckend sind auch die vielen Holzschnitzarbeiten, vor allem die großen Säulen und kunstvollen Türen in den Koranschulen.

Das Essen unterwegs

Wie schon kurz erwähnt, waren wir zwischen den Städten meist um die fünf Stunden mit dem Bus unterwegs. Irgendwie hat mir das Busfahren gefallen, die vorbeiziehende Landschaft wirken lassen, die Zeit ein paar Eindrücke zu verarbeiten, sich mit den Mitreisenden zu unterhalten oder einfach ein bisschen zu ruhen.

So auf halber Strecke war meist ein Stop in einer der typischen Teestuben geplant. Ich fand auch das toll. Es gibt immer eine Art ‚Gedeck‘ mit Tee, Fladenbrot und Wasser. Wodka wird als Medizin gereicht und die Suppen sind fantastisch und genau recht als Mittagsessen. Ich hatte ja echt Bedenken bezüglich des Essens, aber von Fladenbrot und deftiger Suppe kann ich mich prima eine Weile ernähren.

Teestube

‚Gedeck‘ mit Wodka

 

 

 

Ein Ausflug in die Berge

Ein Highlight für mich war unser Tagesausflug von Samarkand aus in und über die Berge. Wer mich kennt, weiß, dass ich ein Landschaftsfan bin und wenn es hoch hinauf geht, dann blühe ich auf 😉 . Ich hatte gesundheitlich nach dem ‚kleinen‘ Darmproblem Bedenken, dass mir die Fahrt zu viel würde, aber das war unbegründet. Da es über eine Art Passstraße ging, fuhren wir nicht mit dem Bus, sondern in vier Taxis. Die Berge, die hier noch nicht so hoch sind, erinnern schon sehr an die Alpen, aber das Landschaftsbild insgesamt ist anders. Beschreiben ist schwierig, ich lasse einfach ein paar Fotos sprechen.

Auf dem Rückweg fand oben auf dem Pass ein kleiner Markt statt, den wir uns natürlich angeschaut haben.

Durch die Wüste

Ich mag Wüsten, leider habe ich es nicht so mit Hitze – und ich muss gestehen, Landschaft und Berge hätten mich gereizt hier einmal im Winter herzukommen.

Auch wenn man im ganzen Land viel landwirtschaftlich genutzte Flächen sieht – es werden sogar Melonen angebaut, die im Herbst reif sind – sind in Usbekistan Wüstenlandschaften überwiegend. Wir hatten im Mai bereits Tempraturen um die 40°C, im Sommer finden aus guten Gründen keine Touristenreisen statt. Da es im Winter zweistellige Minusgrade gibt, können Südfrüchte, die keinen Frost vertragen – wie z.B. Bananen – hier nicht angebaut werden.

Zu den Mittagspausen unterwegs haben wir unseren netten kleinen wohl temperierten Bus natürlich verlassen. Die Teestuben sind offen, schattig und ein kleines Lüftchen macht den Aufenhalt recht angenehm.

Ein paar von uns Reisenden wollten sich aber auch gerne mal die Füße vertreten und neugierig auf einen kleinen Wüstenspaziergang ist man ja schon. In der prallen Mittagshitze nicht die beste Idee, aber für ein halbes Stündchen ging das schon mal.

Ein Friedhof
…jaja, ich war auch dabei 🙂

Super viel Verkehr auf den Autobahnen, die die Städte verbinden gibt es nicht und so konnten wir unsere ‚Komfortpausen‘ einfach am Straßenrand abhalten 😉

…einmal in die Büsche bitte

Alles in allem hatte ich das Gefühl in diesen eigentlich kurzen acht Tagen in Usbekistan so viel wie möglich aufgesaugt zu haben. Das Reisen hat unheimlich viel Spaß gemacht, auch wenn nahezu alles durchorganisiert war. Wenn möglich hat sich jeder die Zeit genommen auch mal auszubrechen, sich zurückzuziehen oder auf eigene Faust loszustapfen.

Für mich war es ja die erste organisierte Gruppenreise, aber vermutlich – nach den Erfahrungen hier – nicht die letzte. Länder, die ich mich einfach nicht trauen würde alleine zu bereisen, können so entdeckt werden. Und wenn man ein bisschen die Augen aufmacht, aufmerksam ist, kleine Begegnungen am Rande zulässt und ein wenig von vorgegebenen Pfaden abweicht, kommt man reich beschenkt nach Hause.

 

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