Ein verlassener Ort – das alte Haus

Vor einiger Zeit habe ich über den Umzug der Eltern in ein neues Zuhause geschrieben. Inzwischen sind ein paar Monate und Kurzbesuche verbunden mit Räumaktionen im alten Haus vergangen. Die Eltern wollen sich im neuen Zuhause nicht recht einleben und stellen uns permanent vor neue Herausforderungen. Sätze wie ‚wären wir doch im Haus geblieben…‘ sind an der Tagesordnung, sobald mal etwas im Alterswohnsitz nicht so läuft, wie sie es wollen.

Wenn wir zwei ‚Kinder‘ uns mit Freunden und Familie unterhalten, die mit ähnlichen Situationen konfrontiert sind, dann stellen wir fest, wir sind nicht alleine. Tatsächlich ist es so, dass ich mich durchaus in die Lage dieser scheinbar entwurzelten alten Menschen versetzen kann. Und nein, es ist nicht schön, mit über 90 noch verpflanzt zu werden, ich kann das verstehen. Nichtsdestotrotz bin ich mit unserer gemeinsam getroffenen Entscheidung im Reinen.  Zurück ins alte Leben, zurück ins alte Haus, zurück ins nicht-versorgt-sein, ist keine Option mehr. Gemeinsam in diesem hohen Alter, so gut es geht selbständig in einer Wohnung den Lebensabend zu verbringen, muss ein paar Nörgeleien aushalten.

Bis zu meinem letzten Besuch habe ich immer noch alleine im alten Haus in einem der herumstehenden alten Betten geschlafen. Schön war das nicht.

Denn das alte Haus, das ist jetzt ein verlassener Ort. Zumindest so lange, bis irgendjemand irgendwann es wieder zu einem Zuhause macht.

Seltsam ist es natürlich schon nach so vielen Jahren zum ersten Mal in Trier in einem Hotel zu übernachten. Dennoch, eine gute Entscheidung – und sich morgens nicht in einer fast leer geräumten Küche ums Frühstück kümmern zu müssen, entspannt ungemein 🙂 .

Zurück zum alten Haus. Beim Versuch ein System in das Durcheinander des Ausräumens zu bringen, bin ich durchs Haus gewandert und das Zurückgelassene, Verlassene hat mich in allen Räumen angesprungen.

Und so versuchen wir nach und nach das alte Haus von seinen Erinnerungen zu befreien. Oft überfällt uns Wut ob der vielen, über Jahrzehnte angesammelten Dinge, die wir nun wegschaffen müssen. Oft bleiben wir hängen an Erinnerungen und erzählen uns Geschichten aus der Kindheit, was das Räumen nicht zwingend schneller gestaltet 😉 . Manchmal stoßen wir auf Dinge, die uns nichts bedeuten, aber vielleicht den Eltern ihre Erinnerungen auffrischen. Und manchmal erhalten wir auch immer noch Aufträge nach etwas zu suchen, das sich an einem genau definierten Ort befindet und unbedingt gefunden und erhalten werden muss. Das sind dann die Schreckmomente, denn es könnte ja sein, dass wir genau dieses Kistchen, diese Kommode, diesen Schrank bereits ausgeräumt haben.

Sollten wir in diesem Tempo weitermachen, dann wird das alte Haus noch lange ein verlassener Ort bleiben. Jedes Mal ein bisschen mehr verlassen, bis irgendwann nichts mehr übrig ist.

Und genau deshalb wollte ich das gerne hier festgehalten haben.

 

2 Gedanken zu „Ein verlassener Ort – das alte Haus“

  1. Das kenn ich nur allzugut. Ein solches altes, leeres Haus, das früher mein Elternhaus war, wartet auch auf einen Käufer. Nach mehreren kritischen Blicken, was wir wirklich haben wollen, haben wir es abgeschlossen, den Schlüssel einem Entrümpler gegeben – jetzt ist es komplett leer.
    Es war gut, beim Ausräumen nicht anwesend sein zu müssen. Und es war noch besser, es nicht selbst zu machen, nicht wirklich zu wissen, was alles im Sperrgut/Müll gelandet ist.
    Sicher viel auch aus meinem Leben.

    1. Wir sind noch weit entfernt das Wichtigste aussortiert zu haben, aber das wird schon. Und dann werden wir das Ausräumen wohl auch jemand anderem überlassen. Noch sind unsere Eltern nicht recht bereit loszulassen, das bindet uns die Hände. Die Mutter fährt immer noch hin und kruschtelt 😉 Gut zu hören, dass es anderen auch so geht.

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