Wie ich mich mit einem Wespennest arrangiere – 4aus7, 5/2018

Wie man dem Foto entnehmen kann, handelt es sich hier lediglich um ein 1aus7, denn vier Fotos von meinem laienhaft verfliegengitterten Fenster schienen mir übertrieben. Und die, mit gefühlter Schallgeschwindigkeit, fliegenden Wespen sind mir normalsterblicher Fotoknipserin bei weitem zu flott. Nachdem ich ungefähr 20 Versuche mit verschwommenen kleinen schwarzen Punkten auf dem Foto hinter mich gebracht habe,  muss ich mich auf die Vorstellungskraft meiner Leser verlassen.

Ich habe ein Wespennest. Damit das mal ausgesprochen ist. Im Dach, gleich neben meinem Badezimmerfenster. Meine schnuckelige kleine Wohnung ist im Dachgeschoss, das bedeutet, Schrägfenster. Die kann man super mit Fliegengitter Wespensicher machen … NICHT.

Aufmerksam wurde ich vor ein paar Wochen. Ich saß in der Wanne und hörte was summen. Ich dachte irgendein Summtier hätte sich ins Bad verirrt, konnte aber nichts finden. Bis ich bemerkte, dass das Summen aus der Dachschräge kam.

Ich hab dann mal ziemlich mutig mein Ohr an die Wand gehalten. Hui Buh, da schallte mir das reinste Summfest entgegen.

Man wird so ein bisschen nervös, vor allem, wenn man nicht wirklich Erfahrung mit Wespennestern hat.

Die Frau von heute macht sich schlau. In einem ersten Schritt in diesem manchmal recht unüberschaubaren Internet. Und liest prompt sowas wie „darf man nicht töten, stehen unter Naturschutz“, „hohe Strafen fällig“, „Nester müssen professionell umgesiedelt werden“ und ähnliches. Ja nun.

Sicherheitshalber erkundige man sich beim zuständigen Amt für Umwelt der Stadt. Klingt doch gut. Bestimmt sagen die mir, ich müsse die Feuerwehr einschalten – ehrlich, wie sonst sollte man oben an das Dach ran kommen? Dachte ich so in meiner naiven Unbedarftheit.

Ein auskunftsbereiter Herr am anderen Ende der Leitung, der mir gleich vorab erklärte, dass Wespen nicht geschützt sind und keine Strafe droht bei Tötung. Aha. Aber…. natürlich sollte man nicht gleich an Vernichtung denken, das könne generell nicht unterstützt werden. Ja, das sehe ich ähnlich … aber. Ein Wespennestumzug  würde schlecht gehen, ohne das Dach abzudecken. Und noch seien es wohl nicht so viele. Und ich höre sie nicht nur summen, sondern auch knabbern. Das klingt nach fleissigen Wespen, die dabei sind ihr Heim zu vergrößern. Und könnte es nicht sein, dass sie sich zu mir durchknabbern? Muss man ja mal fragen dürfen.

Hörte ich da am anderen Leitungsende leichte amüsierte Hintergrundstimmen?

Auf den Tipp mit dem Fliegengitter wäre ich dann schon selber gekommen, wenn da nicht das Problem mit den schrägen Dachfenstern wäre. Und im Bad mag man schon ganz gerne mal lüften, gell?

Wir beendeten das unterhaltsame, allerdings nicht sonderlich hilfreiche Gespräch mit den beruhigenden Worten: „die Wespen bauen den ganzen Sommer am Nest. So im August werden es dann richtig viele sein. Aber im Oktober sterben sie dann sowieso, bis dahin sollten sie sich am besten mit den Wespen arrangieren“.

Mein Arrangement geht in Richtung erzwungene Duldung. Die Wespennetz-Konstruktion ist suboptimal und wird permanent nachbearbeitet. Die ein oder andere Wespe hat schon ein Schlupfloch gefunden, und wir wissen ja, was das bedeutet. Das sind bekannte Plaudertaschen, kennt eine den Eingang, wird das gleich der ganzen Gesellschaft erzählt und die feiern eine Badezimmerparty bei mir.

Morgens beim Zähneputzen beobachte ich nun also das rege Treiben der rein- und rausfliegenden Wespen, versuche das Summen und Knabbern in der Wand meditativ in meinen Morgenrhythmus einzubauen und mir nicht vorzustellen, wie das erste Köpfchen mir aus der durchgeknabberten Wand entgegen summt. Ja, lacht ihr nur.

Ich hoffe schwer darauf, dass das Arrangement auf Gegenseitigkeit beruht!

 

2 Gedanken zu „Wie ich mich mit einem Wespennest arrangiere – 4aus7, 5/2018“

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