Buchmesse Frankfurt 2017 – ein Tag plaudern, 4aus7, die sechzehnte

4aus7 Buchmesse 2017Das war sie wieder einmal, die Buchmesse in Frankfurt 2017.

Für mich ein fester Termin im Jahr, den ich unbedingt wahrnehmen möchte. Öfter mal werde ich gefragt „was machst du denn eigentlich da, musst du da beruflich noch hin?“. Klar, könnte man sagen, bin ja schließlich Buchhändlerin.

Soll ich ehrlich antworten? Nein, als Buchhändlerin habe ich auf der Messe tatsächlich nichts mehr zu tun – meine Chefin hört jetzt ganz bestimmt gerade mal nicht zu 😉 . Denn als Fachbuchhändlerin einer kleinen Versandbuchhandlung gibt es nicht unbedingt Sehenswertes auf der Buchmesse und Termine muss ich auch nicht zwingend machen, die kann man übers Jahr viel besser einbinden.

Meine KollegInnen aus dem Sortiment wiederum haben überhaupt keine Zeit die Messe zu besuchen und darüber hinaus auch längst kein Interesse mehr. Meist hört man nur ein wehmütiges, an längst vergangene Jahre anknüpfendes „ach ja, die Buchmesse“.

Warum also zieht es mich hin nach Frankfurt? Warum bin ich enttäuscht – wie letztes Jahr, als ich krank wurde – wenn ich es nicht   schaffe zur Buchmesse zu fahren?

Vermutlich weil ich eine alte Plaudertasche bin. Vielleicht aber auch, weil ich mich wohl fühle in der Filterblase meiner Buchbranche, der ich schon so lange angehöre. Ganz bestimmt, weil ich immer noch daran interessiert bin, zu sehen, wohin wir uns in der Branche entwickeln. Weil ich weiter mitreden möchte und weil ich einfach unbedingt diese eine Gelegenheit des Jahres nutzen will, bekannte Gesichter aus den letzten drei Jahrzehnten zu sehen und wenigstens drei Worte zu wechseln.

Meine Plauderfreude, nein, ich nenne das nicht Small Talk, ist voll auf ihre Kosten gekommen. Zugegeben, der Mittwoch ist ein guter Tag noch auf Menschen mit Zeit zu treffen. In den Hallen ist die Luft noch erträglich und man muss nicht schupsen und drängeln, um voran zu kommen.

Es macht Spaß einen lieben Kollegen zu treffen, der mich mit den Worten begrüßt „wenn die Claudia am Stand vorbeikommt, ist meine Buchmessenwelt wieder in Ordnung“ 🙂 . Es ist schön Kollegen aus dem alten Verlag zu treffen und sich wenigstens kurz auszutauschen, wie das Leben so spielt. Manchmal ist es geplaudert und manchmal steigt man gleich tiefer ein. Manchmal ist nur Zeit für ein paar Sätze und manchmal klappt es unerwartet für etwas mehr. Wibke, Boris, Luise, Helen und Alexandra haben mich besonders gefreut. Die Vielseitigkeit der Begegnungen macht es aus, dass dieser Messebesuch mich zwar mit müden Beinen, aber zufrieden grinsend hat abends in den Zug steigen lassen. Okay, das ein oder andere Gläschen Sekt mit der lieben Kollegin aus dem englischen O’Reilly Office hat sicher auch ein wenig dazu beigetragen, haha.

Wie wir so nett feststellten „we already know each other since the last century“ … das ist doch irgendwie ein schönes Motto.

 

Ausnahmsweise kommt hier mal ein Nachsatz:

Da ich am Mittwoch nur für einen Tag auf der Messe war, habe ich – außer in Berichten im Vorfeld – nicht wirklich etwas von den ‚rechten‘ Verlagen auf der Messe mitbekommen. Ich bin sicher, dass ich an den Ständen vorbeigelaufen bin, ihnen aber genau das gegeben habe, was sie haben sollten: keine Aufmerksamkeit.

In den folgenden Tagen gab es ziemlich viel Aufruhr, den ich jetzt hier nicht aufgreifen will. Das ist nicht meine Art und meistens halte ich mich mit Be- und Verurteilungen zurück. Wie schon oft gesagt, ich ignoriere bestimmte Problematiken nicht, ich beschäftige mich damit und bilde mir auch eine eigene Meinung. Hier im Blog ist aber nicht der Platz dafür. Andere schreiben das besser, andere werden auch mehr gelesen und gehört.

Mir ist es aber wichtig genau das hier anzumerken.

Aus der Fülle der Texte, die inzwischen zu den unschönen Vorfällen auf der Buchmesse geschrieben wurden, kann ich mit diesem Text gut übereinstimmen.

„Ich habe mir genau erklären lassen, warum die Frankfurter Buchmesse Verlage der Neuen Rechten zulässt bzw zulassen muss. Okay. Ich fand die Idee, linke Verlage und Stiftungen um sie herum zu platzieren, eher heikel, aber viele fanden sie genial, also hatte ich Hoffnung. Jetzt zeigt sich mal wieder, wie finanzstark und gut organisiert die Neuen Rechten sind, sie erwarten Proteste, wollen sie sogar. Opferrolle, Argumtente für Gegenmaßnahmen, und so weiter. Von der Gewalt können sie sich mit „Das waren nicht wir, sondern irgendwelche Gäste“ distanzieren. Um wieder als Opfer dazustehen. Das ist keine schöne Messe mehr, ich merke, wie misstrauisch ich jeder und jedem Einzelnen gegenüber geworden bin. Ich möchte das nicht. Die Buchmesse, die Literaturszene, das war für mich immer ein Ort für Offenheit und Vielfalt, Internationalität und Verständigung, bei allen Reibereien und Meinungsverschiedenheiten, die es naturlich immer gibt. Dass sich das Klima im ganzen Land geändert hat, dafür kann die Messe, kann der Börsenverein nichts. Aber ich wünsche mir jetzt eine klare Positionierung, nicht nur Schilder, die während der Lesung eines ehemaligen Katzenkrimiautors hochgehalten werden. Ich wünsche mir auch bessere Ideen für die kommenden Messen, ob in Frankfurt oder Leipzig. Meinungsfreiheit unbedingt. Aber was ist mit denen, die keine Meinungsfreiheit mehr wollen, sondern nur ein unwidersprochenes Ausbreiten der eigenen Ansichten, die dazu noch menschenverachtend sind?“

… es handelt sich hier um ein Zitat von der Facebookseite von Zoë Beck …

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