Im Meer ertrinken Menschen und unsere Menschlichkeit

Vor einigen Wochen, am 20.Juni, war Weltflüchtlingstag. In Augsburg gab es eine, von mehreren Aktionsbündnissen ins Leben gerufene, relativ kleine Aktion dazu. Klein wohl, aber deswegen nicht weniger im Gedächtnis bleibend, sehr nachhallend. Auch Wochen danach bewegt es mich noch. Gerade im Angesicht der in den letzten Wochen so unsäglichen politischen? beschämenden Ausseinandersetzung unserer Regierungsparteien.

Die Organisatoren hatten ein Boot organisiert. Ein Flüchtlingsboot von Resqship. Eines, in das mehr als 150 Menschen gequetscht wurden, um über das Meer zu fliehen.

Wir haben uns also an diesem Weltflüchtlingstag in besagtes Boot gestellt. An Land. Auf sicherem Grund und Boden. Wir waren auch nur ca. 100 Menschen, keine 150 oder mehr. Es war ziemlich eng. Es hat nicht nach Benzin gerochen und es gab kein offenes Meer. Wir hatten zu trinken und waren dort ca. 20 Minuten und haben der Erzählung eines Bootsflüchtlings zugehört. Das ist wahrlich nicht leicht zu ertragen. 

Resqship Danach sind wir wieder in unseren Alltag. Wir waren eine Gruppe von Menschen, die so eine Aktion eigentlich nicht bräuchten, um ihre Haltung zu zeigen. Es aber tun, um den Menschen, die über das Meer kommen und einen sicheren Hafen suchen, unsere Solidarität zu zeigen. Um zu zeigen, dass wir nicht alle völlig verroht sind und das Schicksal der auf dem Meer Ertrinkenden uns nicht egal ist.

Ich würde mir wünschen, dass sich die versammelte Regierungsmannschaft in so ein Boot setzt und sich nur ein einziges Schicksal anhört. Denn nur das scheint unser Gewissen zu erreichen. Nackte Zahlen von ertrunkenen Menschen scheinen an den meisten von uns abzuprallen.

Selbst Bilder von überfüllten Booten, von Menschen, die im Meer schwimmen, von Frauen und Kindern, die um Hilfe flehen, lassen unsere Politiker kalt.

ResqshipWir fiebern im Moment gerade alle mit ein paar Jugendlichen mit, die in einer Höhle vom Wasser eingeschlossen wurden. Dramatisch, ohne Frage. Mit tausenden von Flüchtlingen, die im Mittelmeer ertrinken fiebern wir nicht. Das ist zu anonym, darüber wird schon lange nicht mehr in den Medien prominent berichtet.

Wie kann es ein, dass wir überhaupt darüber diskutieren Grenzen zu schließen, statt Menschen zu retten? Warum zählt ein Menschenleben in Europa mehr als ein Menschenleben in Afrika? Wer glaubt sich anmaßen zu können, anderen Menschen Hilfe zu versagen, wenn er doch helfen kann? Bei uns steht unterlassene Hilfeleistung unter Strafe, und das soll nur hier gelten?

Unser deutscher Pass ist einer der ‚besten‘ der Welt. Wir können nahezu überall hin damit. Mit welcher Berechtigung untersagen wir das anderen?

Ich sage das hier mal ganz deutlich, wir haben keine Flüchtlingskrise hier in Deutschland , wir sind dabei unsere Menschlichkeit an Grenzzäunen aufzuhängen und das kotzt mich an.

Letztlich noch mehr schockiert es mich, dass ich das alles hier lediglich schreiben kann. Ich habe nicht das Gefühl viel tun zu können, denn wirklich aufs Meer hinaus gehen und Menschen retten oder gar Menschen hier ein neues Zuhause bieten, kann ich leider nicht.

Aber andere tun das und das sollte unterstützt werden (Beispiele)

Resqship

Sea Watch

Ärzte ohne Grenzen

https://www.leetchi.com/c/civilfleet

Ich schreibe diesen Artikel auch im Rahmen der Blogparade „Europa und das Meer – was bedeutet mir das Meer„.  Die Blogparade wird veranstaltet vom Deutschen Historischen Museum.

 

 

 

 

 

3 Gedanken zu „Im Meer ertrinken Menschen und unsere Menschlichkeit“

  1. Liebe Claudia,

    danke dir sehr für diese sehr betroffenen Worte. Ja. Das passt auch zur Blogparade #DHMMeer. Die Diskussion von Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft zu führen, ist wichtig. Wir sind priviligiert, wir leben in einer Demokratie, wir haben freie Meinungsäußerung und trotzdem wird aktuell einiges verkauft, um Stimmen zu fangen. Das sollte nicht verfangen, deshalb dir ein ganz herzliches Dankeschön für diese mahnenden Worte!

    Herzlich
    Tanja

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