Ein Tweet, viel Regen und die Geschichte eines Schiffs

Kennt ihr das? Eine klitzekleine Handlung, ein Wort, eine Geste, entwickelt plötzlich eine Eigendynamik und schaukelt sich hoch zu etwas, zudem es gar nicht geboren war. In einem phantasievollen Kopf entstehen so die besten Geschichten, die schönsten Romane, die, in denen man völlig versinkt und alles um sich herum vergessen macht.

Ich sehe manch einen ungeduldigen Blogleser jetzt zusammenzucken – was? Ein Roman? Eine endlos-Geschichte?

Klar, da müsst ihr jetzt durch 😉

Aber fangen wir doch einfach von vorne an.

Begonnen hat alles mit einem Tweet, einem mir bis dahin noch nicht persönlich bekannten Follower und viel Regen. Den genauen Wortlaut des Tweets kann ich wohl nicht mehr rekonstruieren – wer will es mir verdenken? Jahreszeitlich handelte es sich um die in unseren Breiten gerade sich neu entwicklende ‚kalte Regenzeit‘ im Mai, früher Nachmittag, Ort: München, unbedacht dahingeschriebener Text: „ich glaube, ich sehe ein großes Holzschiff am Horizont“. Auf die Nachfrage, ob denn Eisbären darauf zu sehen wären, kam die Antwort „es ist zu dunkel“ und „die Sonne geht schon unter“.

Warum auch immer, mir schoss sofort ein Bild durch den Kopf, ein Foto, und zwar genau dieses.

Wie viele Menschen, die gerne auf Reisen gehen und dabei fotografieren, besitze ich wohl hunderte Fotos mit Schiffen aller Arten. Aber es musste genau dieses sein, das seinen Weg in den Antwort-Tweet fand.

Kurze Zeit später, es regnete mal wieder, erreichte mich der Ruf nach dem Schiff erneut. Wer hätte das Herz gehabt, diesen Ruf zu ignorieren?

„Das Schiff, erwartungsvoll steht es bereit, die Reise, was wird sie bringen? Sonne, irgendwo, das ist gewiss!“

Wir ahnen schon, das Schiff als solches ist ein Fake, diente als Motiv mir damals nur, malerisch im Vordergrund.
Die Entmystifizierung, wollen wir sie sehen? Oder uns lieber am Bild des schwindenden Schiffes den Träumen der Reise hingeben?

Zu spät, die Entscheidung ist getroffen, die Geschichte findet ihren Weg ans Licht, das Schiff, ohne Glamour, war nur Statist, ein kleiner Punkt auf einer großen Reise.

Und was steckt nun wirklich hinter diesem Schiff? Soll ich es mit Michael Ende halten und sagen: „aber das ist eine andere Geschichte“?

Geht nicht, ich hatte mir vorgenommen beim nächsten Regentag das ‚Rätsel‘, das so rätselhaft nicht ist (siehe oben!) zu lüften und dann kam auch noch diese Konversation zwischen den beiden Protagonisten hinzu:

„…und ich hielt es schon für einen wertvollen Tipp zur Enträtselung des Schiff-Geheimnisses“

Ich: „…puh, da muss ich mir echt ne tolle Geschichte zu ausdenken! ;-)“ #vollunterDruck

„…aber Hallo! Und nicht abschreiben ;-)“

Es regnet, jetzt, heute, was bleibt mir übrig?

Als ich im Frühjahr 2011 beschlossen hatte meinen Job als Sales Manager für Süddeutschland und Österreich beim O’Reilly Verlag aufzugeben, habe ich über Ängste nicht wirklich nachgedacht. Um ehrlich zu sein, das haben andere für mich übernommen. Ich wusste nur eines, dass ich genau diesen Schritt gehen muss. Und nein, ich hatte in den Monaten, die der Entscheidung folgten, nie Zweifel und es bis heute auch keine Minute bereut!

Wie viele inzwischen wissen, bin ich im September 2011 aufgebrochen mir einen Traum zu erfüllen. Eine Reise mit Auto, Zelt und wenig Planung von der Ostküste der USA (Boston) an die Westküste (San Francisco). Klar war ich aufgeregt, auch wenn in den ersten drei Wochen der Strecke meine erfahrene USA-Reisefreundin dabei war. Ab Chicago war ich auf mich alleine gestellt.

Aufregung, ob denn wohl alles gut geht, ist eine Sache, Ängste eine ganz andere.

Hat mein Umfeld eher mit konkreten Sorgen um meine ‚Existenz‘ auf meine Entscheidung reagiert, ging mir immer nur eines durch Kopf: bin ich genug?

…und hier kommt die Symbolik eben genau dieses Schiffs ins Spiel. Whooohooo, hochtrabend und natürlich erst lange nach Beendigung der Reise als solches erkannt …

Die Perspektive entscheidet.

Sich alleine, ohne echtes Fangnetz, den Job gekündigt, keinen Plan für die Zukunft, nur der Moment entscheidet, auf den Weg zu machen war einfach – für mich. Die Überlegung ‚bist du genug?‘ war es nicht.

Wie fühlt es sich an auf einmal (wieder) ein unbeschriebenes Blatt zu sein? Wie werden die Menschen, die dir begegnen darauf reagieren, wenn du keine Antwort geben kannst auf die Frage ‚und was machst du beruflich?‘? Wird sich überhaupt irgendjemand für dich interessieren? Was kannst du anderen geben? usw. usw.

Eben die Frage, genügt es einfach nur du selbst zu sein? Nicht nur gegenüber anderen, allem voran natürlich gegenüber mir selbst.

Ja!   Ja!   Logisch genügt es. Allein diese Erfahrung zu machen, sich nicht hinter einem Job, einem Haus, einem anderen Menschen, einem Besitz, einer Fähigkeit, einer Leistung … verstecken zu müssen, war es wert diesen Schritt gewagt zu haben.

Und nachdem die Geschichte nun eine sehr persönliche Wende genommen hat und irgendwie zu einer ‚ganz anderen Geschichte‘ wurde, kehren wir zurück zu den Fakten und enträtseln wenigstens noch, ganz unromantisch, wo das Schiff sein Zuhause hat 😉

Der Tag danach ... ohne Schiff :-)
Der Tag danach … das Schiff verschwindet am Horizont 😉

Wenn man von Boston über die nördlichen New England Staaten, den Lake Champlain von Vermont nach New York State quert, die Adirondack Mountains überschreitet, landet man auf dem Weg zu den Niagara Falls zwangsläufig am Lake Ontario. In einem kleinen State Park in Fair Haven gibt es einen Campingplatz mit schönem Zugang zum See. Ich liebe es, bei jeder sich bietenden Gelegenheit in irgendein Gewässer zu springen, kalte Temperaturen halten mich nicht wirklich ab, und die Großen Seen haben mich diesbezüglich schon immer gelockt. Sie geben vor ein Meer zu sein, endlose Weite, Strände, Wellen, Unwetter, man springt hinein und erwartet den salzigen Geschmack auf der Zunge, nur um erfeulicherweise von Süßwasser überrascht zu werden.
Ich gebe zu, es war schon Ende September, die Temperaturen nicht mehr zum Baden einladend, aber der Strand, der See, die Abendstimmung schon. Tja, und dann die Ernüchterung, USA, strenge Regeln, kein ‚Lifeguard on duty‘, absolutes Badeverbot. Ein Versuch wäre es dennoch wert gewesen, aber die Erfahrung hat mich gelehrt, von wütenden in Trillerpfeifen schnaubenden Rangern Abstand zu halten. So wurde es ein Abendspaziergang mit Schiff, Sonnenuntergang und einer Gruppe Möwen im Abendlicht.

Ende!

Fußball, Fan-Arbeit und Social Media

Heute geht es mal um eine meiner (sonst eher versteckten) Leidenschaften, den Fußball.

Seit der Bundesliga-Saison 2010/11 bin ich Besitzerin einer Dauerkarte für die Heimspiele des FC Augsburg im 2009 neu eröffneten Stadion, das jetzt – wie alle anderen – Arena heißt.

Ich bin immer wieder beeindruckt davon, dass so viele von uns mit dem Fahrrad zur Arena kommen!
Ich bin immer wieder beeindruckt davon, dass so viele von uns mit dem Fahrrad zur Arena kommen!
Nordkurven-Choreografie
Nordkurven-Choreografie

 

Es mag seltsam anmuten, dass jemand, die sich ebenso für Literatur, Musik, Kunst, Theater, Reisen… begeistern kann, ihre Zeit freiwillig und gerne mit (vermeintlich) grölenden, pöbelnden, dumpfen Fußballfans verbringen will.

Zum einen, um mal mit diesem Vorurteil aufzuräumen, sitzen und stehen da tatsächlich Menschen jeder Coleur zusammen und teilen schlicht und einfach eine Leidenschaft. Zum anderen mag ich die Atmosphäre. Es gefällt mir mitzufiebern, anzufeuern, enttäuscht zu sein, Emotionen rausschreien zu können in der Gemeinschaft von 30.000 anderen. Klar, dass Gewinnen mehr Spaß macht als Verlieren, das kollektive Entladen der Spannung, wenn ein Tor fällt, ein unbeschreibliches Erlebnis ist, genauso wie die Trauer beim Gegentor.

Den erstmaligen Aufstieg des FCA in die 1.Bundesliga 2011 miterleben zu dürfen war ein großes Fest. Durch einen Zufall eine Karte für das letzte Spiel der Saison auswärts im Berliner Olympiastadion ergattert zu haben, ein Highlight der besonderen Art.

Berlin - Olympiastadion. Hertha BSC - FCA, für beide Mannschaften war es der Aufstieg in die 1-Liga
Berlin – Olympiastadion. Hertha BSC – FCA, für beide Mannschaften war es der Aufstieg in die 1.Liga
Aufstiegsfeier am Augsburger Rathausplatz – Mai 2011

Und dieses Jahr, zur neuen Saison 2013/14, sollte alles vorbei sein? Ich kann mir eine erneute Dauerkarte auf den teuren Plätzen leider zur Zeit nicht leisten, da ich nach einem Sabbatical gerade auf der Suche nach einer beruflichen Neuorientierung bin.

Ich habe das auch in einem Kommentar zu einem Facebook-Post auf der Fanseite des FC Augsburg zum Ausdruck gebracht…

Ein Kommentar unter vielen (euphorischen) zur Frage "Habt ihr eure Dauerkarten schon verlängert?".
Ein Kommentar unter vielen (euphorischen) zur Frage „Habt ihr eure Dauerkarten schon verlängert?“.

…nicht ahnend, dass das wirklich jemand unter den vielen „klar hab ich“, „hab ich schon längst“ usw. überhaupt zur Kenntnis nimmt, geschweige denn darauf reagiert.

Zwei Tage später fand ich einen Brief der FCA-Geschäftsstelle in meinem Briefkasten, der u.a. Bezug auf meinen Facebook-Kommentar nimmt und folgende Worte enthält:

Toll, oder? Ich bin immer noch ganz beeindruckt. Das nenne ich mal gelungene Fan-Arbeit auf Basis von Social Media.

Man hat es mir sehr kulant tatsächlich ermöglicht wieder regelmäßiger Gast der SQL-Arena zu sein, heute habe ich meine neue Dauerkarte – ein anderer Platz, aber was solls – bestellt und freue mich total darauf, die Jungs wieder live spielen zu sehen, mit dem Fahrrad durch Regen und Schnee zum Stadion zu düsen, weil gefühlte 80% der Spiele im Winter bei eisigen Temperaturen statt finden.

…Schal und anschließendes Aufwärmbad werdens dann schon richten 😉

Lieber FCA, ganz großes Kino!

…und jetzt sind die Jungs dran 😉

stARTcamp Ruhr York Tag 2 oder so…

Ja, wisst ihr doch, es gab noch einen zweiten Tag. Der Plan war, es genau so wie am ersten Tag zu machen und die ganz frischen Eindrücke gleich im Anschluss an das Ende des stARTcamps am Freitag Abend zu verbraten.

Das mit mir und den Plänen – schon öfter erwähnt – klappt nicht immer so, aber wir sind hier ja unter uns und finden das nicht weiter tragisch, oder?

Schließlich ist meine Entschuldigung total nachvollziehbar, verständlich und die logische Konsequenz eines zweitägigen Barcamps mit kreativen, spontanen, netten, interessierten, vielfältigen … ich könnte da noch eine Weile weiter#flauschen… Menschen.

Nach einem gelungenen (mehrtägigen) Event bin ich gegen Ende meistens hin- und hergerissen zwischen Enttäuschung, dass es zu Ende ist, Erleichterung, dass es zu Ende ist, Überdrehtheit, Erschöpfung, dem schönen Gefühl sich mit neuem Schwung dem Alltag zu stellen oder der Begegnung mit der Frage ‚und was kommt jetzt‘? Vergleichbar vielleicht mit dem Lesen eines guten Buches, das uns in den Bann der Geschichte zieht, uns für kurze Zeit in eine Parallelwelt entführt und an seinem Ende wieder ausspuckt.

Man möchte so gerne, dass es noch ein wenig nachglüht (Begriff bei Katrin geklaut)…

Irgendwie hat es sich also ergeben, dass sich ein kleines, aus Hotelübernachtern und Lokalmatadoren zusammengewürfeltes Grüppchen ‚Nachglüher‘, nach gemeinsamem – erneutem – veganen Currywurst-, Gyros-, Burger-Abendessen, auf die Suche nach einer Absacker-Lokalität machte.

So kam nun also kein Tag-2-stARTcamp-#Session#Content#Storytelling-Blogartikel zustande (da müssen nu andere ran  😉 ), dafür aber die schönste Abrundung zweier ausgefüllter Tage, die man sich wünschen kann! Und planen? Planen hätte man das eh nicht können!

Die Begeisterung des Orgateams muss ich einfach unterbringen und teilen!
Die Begeisterung des Orgateams muss ich einfach unterbringen und teilen!
Chapeau!
...vor dem Aufbruch...
…vor dem Aufbruch…
Voll scharf die Truppe!
Voll scharf die Truppe!
Mir wurde versichert, dass Christoph Schlingensief hier Messdiener war! Viel mehr hab ich über Oberhausen allerdings nicht erfahren...
Mir wurde versichert, dass Christoph Schlingensief hier Messdiener war! Viel mehr hab ich über Oberhausen allerdings nicht erfahren…

Ja, das hat mich beeindruckt!
Ja, das hat mich beeindruckt!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

…über wandern, reisen, lesen, schauen, reden…