Stubaital – sowas wie meine Bergheimat

Letzte Woche war es endlich einmal wieder soweit: ein kurzer Urlaub ins Tiroler Stubaital stand an. Viel zu lange, vier Jahre, war ich nicht mehr dort. Warum bloß? Schließlich ist es gar nicht so weit, liebe Menschen bereiten mir/uns immer ein herzliches Willkommen, es ist wunderschön da und auch nach so vielen Jahren habe ich noch lange nicht alles erwandert.

Aber nun hatte es ja geklappt, gemeinsam mit meinem Bruder – sozusagen eine Geschwisterauszeit – war Wanderurlaub angesagt. Gefreut hatten wir uns auf eine tolle Herbstwetterwoche, das klappte leider nicht ganz. Am Anreisetag kam der Wetterwechsel mit eisigen Temperaturen, Regen im Tal und Schnee bis runter auf 1800m.

StubaitalGeregnet hat es die nächsten Tage dann nicht mehr, aber die Kälte blieb und somit der Schnee in den höheren Lagen. Morgens zeigte Stubaitalder Blick aus dem Fenster dichten Nebel, der sich meist im Laufe des Tages ganz oder teilweise auflöste. Wer mich kennt, weiß, dass ich mich von so etwas banalem wie Nebel oder tief hängenden Wolken nicht vom Wandern abhalten lasse und mein Bruder musste mit 😉

Eine meiner Lieblingstouren, die ich mir vorgenommen hatte, war aber leider wirklich nicht drin. Sie geht übers Peiljoch (hatte sie schon einmal hier beschrieben), ein steiler, felsiger Aufstieg, der komplett eisig und zugeschneit war. Man sieht dann die Markierungen auf den Felsen nicht und zu rutschig ist es sowieso. Von der Eiseskälte in dieser Höhe mal abgesehen, brrrr.

Drei Touren kamen dennoch zustande, eine sogar komplett neu für mich.

1. Von der Elfer Hütte über den Panoramaweg zur Karalm (durchs Pinnistal zurück nach Neustift)

Da ich mit meinem Bruder unterwegs war, wollten wir auch gerne – zumindest teilweise – etwas zusammen machen. Wir mögen beide den ‚Elfer‘, der Hausberg von Neustift. Oben an der Liftstation ist der Startplatz der Paraglider, da hat man immer was zu sehen. Gleich am ersten Tag sind wir also mit der Gondelbahn hinauf gefahren.

Gute 200 Höhenmeter über der Bergstation der Gondelbahn liegt die Elferhütte, die man über einen Skihang in Kehren leicht in einer halben Stunde erreicht. Hier hat man einen grandiosen Blick ins Tal (wenn der Nebel sich lichtet…)StubaitalNach kurzer Mittagsrast auf der Hütte trennten sich unsere Wege. Ich wollte endlich einmal den Panoramaweg unterhalb der Elferspitzen bis zur Karalm im hinteren Pinnistal gehen. Zu Beginn Stubaitalwar vom versprochenen Panorama keine Rede, das sollte sich im Laufe der Wanderung allerdings ändern.

Ganz leicht ansteigend führt der Weg immer unterhalb des Elfers am Hang entlang und gibt – nachdem sich der Nebel langsam verzieht – den Blick frei auf die hoch aufragende Gipfelkette des Serleskamms mit der Kirchdachspitze als höchste Erhebung und den Steig, der zur Innsbrucker Hütte führt. Entweder hier oder bei der unten erwähnten Starkenburger Hütte beginnt der auf 7-8 Etappen angelegte Stubaier Höhenweg.

Stubaital Stubaital StubaitalBlick zurück zur Elferspitze

Blick zurück zur Elferspitze

Nach ca. eineinhalb Stunden erreicht man nach kurzem Abstieg die StubaitalKaralm. Sie hatte tatsächlich noch geöffnet und immer wieder aus den Wolken blinzelnde Sonnenstrahlen erlaubten den verdienten Genuss eines frischen Kaiserschmarrns draußen auf der Terrasse.

Der Weg bis nach Neustift durchs malerische Pinnistal ist ein mir vertrauter, war das doch in jungen Jahren meine ‚Einlauftour‘ und

Pinnisalm
Pinnisalm

gehört immer noch zu meinen Stubai-Wander-Favoriten. In weiteren eineinhalb Stunden geht es erst sanft, später steil über einen Forstweg, noch mehrere Almen passierend, durchs Tal bergab nach Neustift.

2. Froneben – Schlicker Alm – Kreuzjoch (Fulpmes)

Unsere Familie fährt ins Stubaital seit wir kleine Kinder waren – man behauptet, ich hätte noch Windeln getragen beim ersten Besuch, nun denn. Allerdings waren es immer Winter-Aufenthalte, da die Eltern skifahren wollten. Das Gletscher-Skigebiet gab es damals Stubaitalnoch nicht und so wurde auf der ‚Schlick‘ Ski gefahren. Seit ich erwachsen bin, war ich nie mehr im Winter im Stubai, ich komme immer nur zum Wandern. Auf der Schlicker Alm allerdings war ich tatsächlich noch nie zu Fuß.

Warum also nicht jetzt einmal. Zugegeben, wir haben uns den Weg von ganz unten abgekürzt und bis Froneben (Mittelstation der Kreuzjochbahn) die Gondel genommen. Von dort sind es ca. 300 ‚Kinderwagentaugliche‘ Höhenmeter bis zur Schlicker Alm. Ich kann nicht behaupten, dass ich mich an viel erinnerte, vor allem weil ich ja nur im Winter dort war. Schön ist es in der Schlick trotzdem und gut zu Mittag essen konnten wir auch. Ich wollte auf jeden Fall die nächsten 500 Höhenmeter zum Kreuzjoch laufen, mein Bruder war sich ob seiner Kondition nicht sicher. Als er dann aber noch ein Stück mitlief, gings doch ganz gut und wir haben die Tour komplett zusammen gemacht. Eine super Leistung für ihn und ich fands toll, den Tag gemeinsam zu erleben.

Stubaital StubaitalBlick hinunater auf die Schlicker Alm

Blick hinunter auf die Schlicker Alm

Der Weg ist komplett neu angelegt und windet sich in langen unsteilen Kehren den Hang hinauf. Die Strecke wird dadurch zwar länger zu gehen, aber die sanfte Steigung macht das Laufen für Ungeübte einfach. Unterwegs finden sich immer wieder Infotafeln und Installationen zu Flora, Fauna und Landschaft, die für Kinder aufbereitet sind. Eigentlich wohl gedacht, um den Weg abwärts von der Bergstation der Kreuzjochbahn unterhaltsam zu gestalten. Mir hats auch bergauf gefallen.

Gut zweieinhalb Stunden waren wir für die 800 Höhenmeter unterwegs, schön langsam und die Landschaft um uns herum genießend. Oben angekommen durfte natürlich der kurze Weg zur relativ neu errichteten Aussichtsplattform nicht fehlen. Der Wettergott war uns hold und ließ die Wolkendecke aufreißen mit herrlichem Blick bis hinunter nach Innsbruck und auf den gegenüberliegenden Serleskamm.

Die Serles, Fulpmes im Tal
Die Serles, Fulpmes im Tal

Stubaital

Wir konnten uns kaum losreißen und hätten dann beinahe noch die letzte Bahn ins Tal verpasst … puh.

3. Von Neustift über die Autenalm zur Elferlift-Bergstation

Am letzten Tag, dem sonnigsten der Woche, waren wir dann noch einmal oben bei der Elferhütte, Tour drei sozusagen. Dieses Mal habe ich mich allerdings für den steilen Aufstieg durch den Wald über die Autenalm entschieden. Bis zur Liftstation am Elfer sind das 800 Höhenmeter, von denen 650 zackig steil einen kleinen Steig bis zur Alm hinauf gehen. Es gibt auch einen Forstweg, der macht aber nicht so viel Spaß 😉 .

Die Autenalm hatte zwar schon zu, aber für eine kleine Brotzeit habe ich mich auf die Terrasse setzen können, um den einmaligen Blick ins Oberbergtal und auf die gegenüberliegende Starkenburger Hütte am Fuße des Hohen Burgstall von dort zu genießen.

Autenalm
Autenalm

Oberbergtal, Hoher Burgstall, Neustift im Tal

Oberbergtal, Hoher Burgstall, Neustift im Tal

Von der Autenalm führt ein schmaler Steig in ca. einer halben Stunde sanft ansteigend am Hang entlang bis zum Lift und öffnet Stubaitaltolle Blicke ins Tal bis hin zur Nordkette, die über Innsbruck thront. Auch von der Liftstation kann man über einen schönen Steig absteigen zur Pinnisalm im Pinnistal, wir haben dieses Mal aber die Gondel genutzt.

Einen kleinen Ausflug zur nahe gelegenen Berg Isel Sprungschanze haben wir uns an einem verregneten Tag gegönnt. Die Sprungschanze wurde von der kürzlich verstorbenen Zaha Hadid gebaut und ist ein architektonisches Kunstwerk. Von oben bekommt man einen Eindruck, wie es für die Skispringer aussieht, wenn sie hier abspringen.

Berg Isel
Berg Isel
Innsbruck
Innsbruck

Ich habe mir fest vorgenommen für meinen nächsten Stubaital-Besuch nicht so viel Zeit vergehen zu lassen! Und vielleicht, ganz vielleicht doch mal wieder die lange nicht genutzten Ski auszupacken und zur ‚Schlick‘ zu fahren 🙂

3 Gedanken zu „Stubaital – sowas wie meine Bergheimat“

  1. Tja, die Berge fesseln uns immer wieder durch ihre Reize! Atemberaubende Bilder sowie auch die Erinnerungen! Für mich wissenswert, denn richte diesmal meine Reise ins Stubaital. Dem Tipp zur Marschroute folge ich zusammen mit meinem Freund, danke! Der hat uns schon die Übernachtung gebucht.

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