Lang Lang und das National Symphony Orchestra in Luxemburg

Eigentlich war ich auf Besuch in Trier aus Anlass des 90. Geburtstag meines Vaters.

Nun kam es, dass am Vorabend der Geburtstagsfeier, in Trier der wegen Sturm ausgefallene Rosenmontagszug nachgeholt wurde. Dachte ich mir doch, hey, super Gelegenheit, da geh ich hin, gucke, fange ein paar Kamelle und schwelge in alten Zeiten.

Mein Bruder hatte anderes auf dem Plan. Er kam auf die Idee nach Luxemburg rüber zu fahren, um noch Karten an der Abendkasse der Philharmonie für das Konzert des National Symphony Orchestra unter Leitung von Christoph Eschenbach und dem Solisten Lang Lang zu ergattern. Darüber gesprochen hatte er vor Monaten schon mal, als er versuchte im Vorverkauf eine Karte zu bekommen – restlos ausverkauft, hieß es da.
Also dachte ich so bei mir: haha, das wird ja wohl nix.
Aber in der Stadt Luxemburg war ich seit Jugendtagen nicht mehr, und so könnte das ja auch ein netter Ausflug werden – schließlich sprechen wir hier von lediglich 50 Kilometern. Zudem würde die Zeit trotzdem noch reichen ‚de Zuch‘ zu sehen, sollte das mit den Karten nicht klappen. Lang Lang gegen Rosenmontagszuch am Samstag Abend in der Fastenzeit (der Bischof hatte es genehmigt!) ist doch ein interessantes Kontrastprogramm. Kleidungstechnisch ein kleines Problem, hätte ich für das Stehen im Freien im nasskalten Nieselregen doch eher festes Schuhwerk gebraucht.

Los gings also nach Luxemburg. Wir waren zeitig da, das Parkhaus gleich unter der Philharmonie noch leer und von Schlange an der Abendkasse keine Rede. Wir drückten uns dann ein Stündchen um das Konzerthaus herum und erfreuten uns an der beeindruckenden Architektur.

Philharmonie LuxemburgPhilharmonie LuxemburgPhilharmonie LuxemburgSpäter kamen dann doch noch ein paar mehr Spätentschlossene, aber wir standen ja recht weit vorne und hatten unglaublicherweise das Glück zwei der begehrten last-minute Stehplatzkarten zu erstehen – Entscheidung gefallen.

Dass man von einem Lang Lang geplättet ist, der nicht nur virtuos, sondern mit unübersehbarer Spielfreude auf der Bühne präsent ist, braucht vermutlich nicht erwähnt zu werden. Das Klavierkonzert  in a-moll von Edvard Grieg lässt einem zudem wohlige Schauer über den Rücken laufen. Eine kleine Zugabe gab es obendrauf.

Philharmonie LuxemburgDie Akustik ist in jedem Winkel grandios – zumindest an den Stellen, die wir getestet haben. Denn der Vorteil der Stehplatzkarten liegt in der Möglichkeit den Platz auch mal zu wechseln.

Nach der Pause wurde das Konzert fortgesetzt mit Johannes Brahms Quartett für Streicher und Klavier g-moll, arrangiert für Orchester von Arnold Schönberg.

Philharmonie LuxemburgWuuusch. Der Hammer. Jaja, so eine Wortwahl passt nicht zu Brahms. Egal. Ich kanns nicht anders ausdrücken. Jede einzelne Instrumentengruppe ein Klangerlebnis. Jedes einzelne Instrument zu hören, ein Arrangement der Extraklasse. Was für ein grandioses Orchester,  Brahms zum Reinknien.

Dass ich letztlich mit Wanderschuhen und ziemlich legerer Outdoor-Bekleidung unterwegs war, nun denn, es hat dem Genuss keinen Abbbruch getan und vermutlich niemanden wirklich interessiert – über kalte Füße konnte ich mich jedenfall nicht beklagen 😉

Wer hätte gedacht, dass mein kurzer Geburtstagsfeier-Ausflug mit solch einem akustisch-emotionalen Highlight gekrönt werden würde. Das sind diese spontanen Erlebnisse, die das Leben so lebenswert machen.

Ach ja, und die Geburtstagsfeier, die war dann auch noch recht gelungen.

 

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