Völklinger Hütte oder wie ich ein Stück Familiengeschichte fand

Die Völklinger Hütte, Weltkulturerbe. Lange stand ein Besuch auf meinem Plan, endlich konnte er umgesetzt werden. Es ist nicht gelogen, dass ich in den letzten ca. 20 Jahren unzählige Male den Bahnhof Völklingen passiert habe, immer im Blick: die Hütte, immer im Kopf: unbedingt mal aussteigen.

Seit 1994  schmückt die Aufnahme zum „UNESCO Weltkulturerbe“ die alte Eisenhütte. Zum 25jährigen Jubiläum hab ich es also geschafft.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich dem starken Eindruck, den die Besichtigung des Hüttenwerks bei mir hinterlassen hat, hier gerecht werden kann. Ganz sicher möchte ich da unbedingt nochmal hin, ganz gerne mit meinem Bruder, schon aus in der Überschrift erwähntem Grund.

Das Gelände ist mit ca. 7.5 ha recht groß, auch wenn man im heutigen Besucherbereich nur einen kleinen Teil des ursprünglichen Gesamtgeländes betritt. Mit ca. 7 km Wegen durch das ehemalige Eisenhüttenwerk ist man ordentlich unterwegs. Drei Stunden vergehen wie im Flug, wenn man sich viele der Anlagen genauer anschauen möchte. Wir waren an einem trüben, kalten Frühlingstag unter der Woche dort und hatten das Gelände nahezu für uns.

Ist man ohne Führung unterwegs, muss man sich mit dem Lesen der Hinweistafeln begnügen, die an den wichtigen Punkten kurze Informationen geben. Mir hat das größtenteils genügt, haben wir so schon über drei Stunden im Werk verbracht.

Es gab ein paar Punkte, die ich besonders beeindruckend fand und die mich noch einige Tage nach dem Besuch beschäftigt haben.

Da waren zum einen die im Bereich der Sinteranlagen eingespielten

Ottmar Hörl – Second Life, ein Skulpturenprojekt

Stimmen ehemaliger Hüttenarbeiter. Sie erzählen, wie es war, dort zu arbeiten und vor allem, wie es war bzw. ist, dort nicht mehr zu arbeiten. Und dass es hart ist, den ehemaligen Arbeitsplatz nun als Museum zu betreten.

Das ist mir insofern nachgegangen, als ich mir beim Laufen entlang der Hochöfen, in den Maschinenhallen oder der Kokerei immer den Lärm und den Gestank vorgestellt habe. Man hat den Eindruck beim Umherlaufen, dass gerade erst die Maschinen stillgelegt, alles ein bisschen sauber gemacht und lediglich die elektrischen Verbindungen gekappt wurden. Alles ist einfach echt und eben kein reines Museumsstück.

Ottmar Hörl - Second Life - 100 Arbeiter
Ottmar Hörl – Second Life – 100 Arbeiter

Sehr beeindruckend war der Weg weit nach oben auf die Gichtbühne und zur Aussichtsplattform hoch über den Hochöfen. Der Aufstieg ist nicht für jeden geeignet, da teilweise über steile Treppen und ausgesetzt. Aber es lohnt sich.

 

Alles in allem ein sehr nachhaltiges Erlebnis dort in der Völklinger Hütte.

Familiengeschichte

Zwei Tage nachdem ich endlich die Völklinger Hütte angeschaut hatte, war ich für einen Tag bei meinen Eltern in Trier. Ich erinnerte mich, dass mir mein Vater vor langer Zeit erzählte, in Neunkirchen in der Hütte gearbeitet zu haben. Damals hatte ich nicht nachgefragt, weil ich vermutlich zu jung und ungeduldig war, mir alte Geschichten anzuhören. Heute ist das anders. Meine Eltern sind 93 Jahre alt und ihre Geschichten werden verloren gehen, was mich manchmal ein wenig traurig macht.

Ich habe also die Gelegenheit des gerade frisch Erlebten aus dem ‚Konkurrenzwerk‘ genutzt, meinen Vater nach seiner Arbeit im Neunkirchener Eisenwerk zu fragen.

Gleich nach dem Krieg hat er eine Ausbildung zum Maschinenschlosser gemacht und hatte danach seinen ersten Arbeitsplatz in der Rohrherstellung, einem Teil des Eisenhütte. Nach einer längeren Ausführung darüber, wie man damals Eisen-/Stahlrohre herstellte – nicht uninteressant – leiteten wir über zu Arbeitsplatz Nummer zwei, die Kokerei der Eisenhütte. Das fand ich ja nun ziemlich spannend, hatte ich die Kokerei in Völklingen doch eingehend in Augenschein genommen. Da gibt es auch einen Film zu sehen, wie die Arbeit dort ablief. Ein Knochenjob.

Kokerei Völklingen
Die Kokerei von oben

Lange habe ich kein so ausführliches und spannendes Gespräch mit meinem Vater geführt. Ich konnte nachfragen, was genau denn seine Aufgabe war (die Maschinenwartung, oft am Abend und an Sonn- und Feiertagen, wenn die Maschinen still standen) und verstand die Zusammenhänge seiner Erläuterungen. Mich hat das sehr bewegt, weil für ihn das alles so sehr erinnerbar war. Fast fünf Jahre hat er in der Neukirchener Hütte gearbeitet, bevor er 1952 sein Studium an der Ingenieurschule begann. Irgendwie hat mir das echt Respekt eingeflößt.

So hat sich durch den Ausflug zur Völklinger Hütte ein Stück Familiengeschichte für mich erschlossen.

 

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